Vom Wesen der Rhythmischen Massage nach I. Wegman

Von den lebensnahen Methoden der Naturvölker bis zur heutigen wissenschaftlichen Auffassung der Massage hat es zahllose verschiedene Techniken gegeben auf dem Hintergrund der sich wandelnden Einsichten. Im Rahmen der Bestrebungen zur Erweiterung der Medizin nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen wurde das Gebiet der Massage von Frau Dr. Ita Wegman am Klinisch-Therapeutischen Institut (Arlesheim, Schweiz), dessen Leiterin sie war, neu durchgearbeitet. Der Verfasser hat in 12-jähriger Mitarbeit an diesem Institut an der Entwicklung der Rhythmischen Massage von Anfang an aktiv teilgenommen.

Die fundamental neuen Gesichtspunkte über die psycho-physischen Zusammenhange im Menschen und über die funktionelle Dreigliederung des menschlichen Organismus liegen der erweiterten Methode zu Grunde.

Im Sinne dieser Dreigliederung sind es die rhythmischen Funktionen von Atmung und Kreislauf bis in ihre feinsten Verzweigungen, die das Gleichgewicht und den gesunden Ausgleich herstellen zwischen den abbauenden Nerven-Sinnes Vorgängen, die zu Bewusstseinsbildung fuhren und den aufbauenden Stoffwechselfunktionen, die im Unbewussten verlaufen. Das Übergreifen eines der beiden Pole auf den anderen und die damit verbundenen Unregelmäßigkeiten fuhren zu Krankheitszuständen. Aufgabe dieser Massage ist es, durch Verstärkung des rhythmischen Elementes dem Körper zu helfen, sein Gleichgewicht wieder zu finden. Die Erkenntnis, dass alle gesunden Lebensvorgänge auf rhythmischen Ablaufen beruhen, rückt dieses Element in das Zentrum des Blickfeldes. Ein weiteres Charakteristikum dieser Methode ist, dass die Qualität der Griffe mehr auf Saugwirkung als auf Druck ausgerichtet ist. Das hat seine Begründung in der Tatsache, dass im Kreislauf die Schwere überwunden werden muss. Der in allen lebendigen Flüssigkeiten herrschende Auftrieb wird durch die saugenden Griffe angeregt. Unser Lebensgefühl bestätigt sofort diese Wirkung. Es muss überdies jede Anlehnung an die Mechanik vermieden werden, da sie dem biologischen Geschehen ganz fremd ist und oft späteren Verhärtungen Vorschub leistet.

Da die einzelnen Teile des menschlichen Organismus mannigfaltig miteinander in Beziehung stehen, ist für die Lokalisation der Behandlung nicht nur der Ort der Erkrankung maßgebend, sondern manches mal auch entfernt liegende Teile zur Ableitung übergreifender Prozesse. - So ist die Rhythmische Massage im Prinzip eine Ganzheits-Behandlung, die das Einzelne auf dem Hintergrund des Gesamtgleichgewichts der Kräfte sehen muss.

Es kommt vor allem darauf an, solche Bewegungen am Körper auszuführen, die der Persönlichkeit die Wege zum aktiven Eingreifen in den Organismus ebnen und ihr soweit als möglich die Herrschaft über den Organismus zurückgeben.

Die Massage ist in dieser Beziehung ein wirksames Mittel der Reaktivierung seelischer wie körperlicher Energien, die - (manches Mal auf dem Wege der Einschaltung einer aktiven Bewegungs- oder Künstlerischen Therapie) - zu beschleunigter Wiederherstellung der Arbeitskraft führt

Die Grundformen dieser Massage und ihre verschiedenen Abwandlungen zum Zwecke spezieller Wirkungen wurden in den ersten drei Jahrzehnten in Fortbildungskursen an verschiedenen Orten vermittelt. Seit 1962 besteht die Schule für Künstlerische Therapie und Massage in Boll, Gruibingerstr. 29, die sich die Ausbildung in der Rhythmischen Massage zur besonderen Aufgabe gemacht hat.

Die Schule gibt jährlich einen Prospekt über die laufenden Kurse heraus.


Beitrag von Frau Dr. Margarethe Hauschka